Vanille & Schokolade oder über die Polarität des Maskulinen und des Femininen

Schokolade

Wohl kaum eine Polarität trägt solch eine Spannung in sich wie die zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit. Viele andere Spannungsfelder haben wir Menschen an diese Hauptzweiheit gehängt und jeweils der femininen bzw. maskulinen Energie zugeordnet, z.B.:

  • Härte = maskulin – Weichheit = feminin
  • Struktur = maskulin – Chaos und freies Fließen = feminin
  • Verstand = maskulin – Gefühl = feminin
  • Geist = maskulin – Materie = feminin
  • Geben = maskulin – Annehmen = feminin
  • usw. usf.

Und weil wir diese jeweiligen Felder an das Weibliche bzw. das Männliche gehängt haben, haben wir über Jahrtausende diese Eigenschaften Männern und Frauen zugeschrieben. Das war auch okay so. Über die Bewertung, die wir den jeweiligen Eigenschaften dann noch oben drauf gepackt haben, konnten wir für all die Erfahrungen sorgen, die wir eben in der Menschheitsgeschichte miteinander gemacht haben.

Mir fällt auf, dass wir inzwischen entweder kaum noch ein freundliches Bild von Männlichkeit bzw. Weiblichkeit oder ein übertrieben verherrlichendes Bild von den beiden Polen haben.

Viele Männer sind verwirrt, weil sie keine Lust mehr haben, diese harte Männlichkeit zu leben, die ihnen als Vorbild angeboten wurde. Doch führt das u.U. dazu, dass sie zu sehr ins Weibliche gehen. Und Frauen lehnen ihre Weiblichkeit ab, weil sie über die Jahrtausende gelernt haben, dass sie damit zu den unterdrückten und entwerteten gehören.

Inzwischen wissen die meisten von uns, dass jeder Mensch, egal ob Mann oder Frau, beides in sich trägt und auch beides nutzen kann. Spielen wir in uns selbst mit jenen Polen, vergeben wir unserer eigenen Männlichkeit/Weiblichkeit und ehren unsere Weiblichkeit/Männlichkeit in uns selbst, können auch unsere äußeren Beziehungen leicht und spielerisch werden.

Frauen brauchen dann nicht mehr ihre feminine Seite zu leugnen oder sie übertrieben leben. Sie können sich ihrer Intelligenz erfreuen, ohne ihre Gefühle zu vernachlässigen, sie können strukturiert leben, um dem freien Fließen Raum zu geben und sie können sich frei und unabhängig auf eine tiefe Beziehung mit dem männlichen Geschlecht einlassen.

Männer können ihre Stärke leben, ohne dabei zu verhärten. Sie können Gefühle zeigen, ohne dabei nur noch weich zu sein und Frauen dann auf diese Weise erneut allein zu lassen, können sich dem freien Fließen hingeben, ohne ihre Struktur zu verlieren und ihre Kraft und ihr Feuer zu verleugnen.

Lässt ein Mensch nur seine feminine Energie zu, ist er abhängig von außen. Wenn es stimmt, dass die feminine Energie die annehmende ist, kann sich ein solcher Mensch nicht selbst versorgen mit dem, was er an Liebe, Anerkennung und so weiter braucht. Er kann nicht für sich alleine stehen und wird u.U. knallhart und/ oder manipulativ, wenn er nicht bekommt, was er will.

Lässt ein Mensch nur seine maskuline Seite zu, dürfte ein Burnout nicht weit weg sein. Egal, ob er versucht, sich selbst etwas zu geben oder ihm von außen etwas angeboten wird, er kann es nicht annehmen, denn ihm fehlt die feminine Anmut des Annehmens. Er gibt und gibt und wundert sich, warum es ihm dennoch nicht gut geht, weil es ja immer heißt, dass zurück kommt, was man gibt.

Es gibt kaum noch positive Vorbilder für Weiblichkeit oder Männlichkeit. Das kann, wie ich weiter oben schon schrieb, verwirrend sein. Doch es ist auch eine Chance. Wir haben hier und heute die Möglichkeit, uns neu zu definieren. Wir können der Weiblichkeit wieder den ihr gebührenden Platz in unserem Leben einräumen, sie ehren und lieben. Und wir können dem Maskulinen wieder, den ihm gebührenden Platz in unserem einräumen, das Maskuline ehren und lieben.

Tun wir es zunächst in uns und schauen uns beide Pole genau an. Schauen wir uns an, wie wir selbst uns das eine oder andere verweigert haben oder es noch immer tun, wie wir selbst das Feminine oder Maskuline entwürdigt oder überhöht haben. Beginnen wir in uns selbst, diese Energien in Balance zu bringen, folgt das Außen rasch.

Diese Zeit im Frühjahr ist hervorragend dafür geeignet. Wir hatten soeben die Tag- und Nachtgleiche. Die Kräfte sind in Balance.

Wenn wir damit beginnen, stoßen wir vermutlich auf uralte Wunden. Auch die gilt es mit Respekt zu behandeln, zu achten und zu ehren. Wie sonst können sie heilen? Lassen wir die alten, lange unterdrückten Gefühle in uns aufsteigen und geben ihnen den Raum, den sie brauchen, dann können sie endlich auch gehen.

PS: Ich möchte klar stellen, was ich unter “Wahrheit” verstehe. Ich betrachte jeden einzelnen Menschen als Schöpfer, also auch als Schöpfer von Realität. Somit gibt es nicht die eine Wahrheit, sondern mindestens ebenso viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt. Und um noch genauer zu sein, wir erschaffen die Gesamtwahrheit in jeder Sekunde neu. Ich bitte euch also, das, was ich hier schreibe, als das anzuerkennen, was es ist: meine Wahrheit. Wenn ihr damit etwas anfangen könnt, dann freut es mich. Wenn nicht, dann vergesst es getrost einfach wieder.

Wenn du meine Texte nutzen möchtest, kannst du das gerne tun. Bitte nenne mich (Tanja Richter - Seelen(t)raum - Selbstliebe als Weg) in diesem Fall als Autorin. Selbstverständlich freue ich mich auch über einen Link auf meinen Blog. Ich danke dir für deine Achtsamkeit!

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