Über die Liebe

ein altes Liebespaar

Heute habe ich wieder gelesen, dass die Liebe keine Bedingungen stellt. Wenn wir Erwartungen hätten, dann wäre dies ein Deal und keine Liebe. Diese Aussage möchte ich gerne ein wenig genauer untersuchen.

Beginnen wir doch mal mit dem Wort Liebe. Was genau beinhaltet sie? Was meinen wir, wenn wir dieses Wort sagen? Meinen wir die romantische Liebe, die Geschwisterliebe, die Mutterliebe oder die eines Opas, meinen wir die Liebe der Natur oder gar die allumfassende Liebe des Universums?

Für mich ist Liebe die Energie, die alles umfasst und beinhaltet. Sie ist schlichtweg ein Synonym für Alles, für das All-Es. So kann ich der Aussage, sie stelle keine Bedingungen sehr gut zustimmen, denn das hieße, dass sie etwas ausschließt und das geht, so wie ich es erfahre, einfach nicht. Liebe ist der Urstoff des Lebens. Aus ihr ist alles gemacht uns selbst inbegriffen.

Doch was genau heißt das nun im Alltag?

Es kann leicht geschehen, dass Liebe mit Beziehung verwechselt wird. Liebe kann sich in vielen unterschiedlichen Varianten zeigen. Sie kann innerhalb einer Beziehung geschehen und sie kann bedeuten, dass es Zeit ist, sich zu trennen. Liebe ist in der Tat bedingungslos, meine Entscheidung, mein Leben mit einem anderen Wesen zu teilen, ist es definitiv nicht.

Mein Kater hat mir das vor einigen Jahren eindrucksvoll gezeigt. Ich hatte mich aus einer Beziehung mit einem Mann verabschiedet und danach beschlossen, dass ich keinen Macho mehr in meinem Leben haben möchte. Mein Kater war ein zwar äußerst charmanter, aber dennoch Macho. Er nahm mich mit meiner Entscheidung ernst. Er ging. Er war erst drei Wochen weg und kam dann noch mal eine Woche wieder, um sich zu verabschieden. Danach war er ganz weg. Ich bin mir sicher, dass er mit seiner charmanten Art schnell eine Omi um seine Kralle gewickelt hat. Dies war eine Trennung, wie man sie sich nur wünschen kann – voller Respekt und … Liebe. Die Liebe bleibt. Sie bleibt immer. Doch die Beziehung, so wie wir sie gelebt haben, ist zu Ende.

Immer wieder wird die Bedingungslosigkeit der Liebe betont. Es ist wichtig, sich darin nicht zu verrennen, denn sonst kann es geschehen, dass wir in Situationen bleiben, die uns nicht gut tun, weil wir ja schließlich diesem Anspruch an die Bedingungslosigkeit genügen wollen.

Es heißt auch, man möge keine Erwartungen haben, denn dies sei keine Liebe. Ich kann jedoch sagen, dass ich ganz gewiss Erwartungen an meine Beziehungen habe. So erwarte ich z.B. weder geschlagen noch belogen zu werden. Sollte ich dieses in einer Beziehung erfahren, dann trenne ich mich, denn meine Liebe zu mir selbst ist eben auch bedingungslos. Und aus der Beziehung mit mir selbst kann ich nicht aussteigen. (Natürlich ist es sehr sinnvoll innen zu schauen, warum mir denn so etwas geschehen ist, denn die Ursache dafür liegt in mir.)

Und ist es nicht auch ein liebevoller Akt, die eigenen Grenzen wahr zu nehmen, anzuerkennen und einem anderen Menschen auch deutlich zu machen? Ist das schon eine Bedingung? Für die Liebe nicht. Für die Beziehung u.U. durchaus. Wenn jemand dauernd über meine Grenzen geht, geht er vielleicht ja auch dauernd über seine eigenen und merkt es nicht. Wie könnte er denn aus jenem Muster raus kommen, wenn ihn niemand darauf hinweist?

Also, um es noch einmal zusammen zu fassen. Um die Liebe kommen wir gar nicht herum, denn sie ist einfach ohnehin da. Wir brauchen uns nicht anzustrengen, um sie zu sein. Wir sind es immer und immer auch in jener Variante, die wir hier und jetzt gerade leben. Wie und mit wem wir unser Leben verbringen und teilen wollen, welche Erfahrungen wir machen wollen, was wir erschaffen oder erforschen und verstehen möchten, kann etwas ganz anderes sein. Und für die Schöpferkraft, für unsere Schöpfung brauchen wir ein „Ja, das will ich.“ oder ein „Nein, das will ich nicht.“, brauchen wir Bedingungen, Grenzen und Beziehungen, sonst bleiben unsere Wünsche im Meer aller Möglichkeiten stecken und können sich nicht manifestieren.

PS: Ich möchte klar stellen, was ich unter “Wahrheit” verstehe. Ich betrachte jeden einzelnen Menschen als Schöpfer, also auch als Schöpfer von Realität. Somit gibt es nicht die eine Wahrheit, sondern mindestens ebenso viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt. Und um noch genauer zu sein, wir erschaffen die Gesamtwahrheit in jeder Sekunde neu. Ich bitte euch also, das, was ich hier schreibe, als das anzuerkennen, was es ist: meine Wahrheit. Wenn ihr damit etwas anfangen könnt, dann freut es mich. Wenn nicht, dann vergesst es getrost einfach wieder.

Wenn du meine Texte nutzen möchtest, kannst du das gerne tun. Bitte nenne mich (Tanja Richter - Seelen(t)raum - Selbstliebe als Weg) in diesem Fall als Autorin. Selbstverständlich freue ich mich auch über einen Link auf meinen Blog. Ich danke dir für deine Achtsamkeit!

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4 comments

  1. Ich mag Deine Beiträge!
    Dieser hier oben z.B. mir aus dem Herzen.
    Ich mag Deine Art zu schreiben!
    Worte die streicheln oder auch rütteln können.
    Ich lese immer wieder gerne hier und nehme Inspiration mit meinen Tag.
    Dafür Danke ich Dir an dieser Stelle mal!
    HerzLichst, Monika.

  2. Liebe Tanja,
    von mir noch zwei Dinge, die mir bei bedingungsloser Liebe einfallen.

    Es heißt „Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst“. Stattdessen leben wir oftmals „Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst, wenn er Deinen Erwartungen entspricht“. Tut er es nicht, keine Liebe (mehr). Schwierig und herausfordernd, sich dessen immer wieder bewusst zu machen.

    Bedingungslosigkeit schenkt auch Vertrauen. Wenn die Liebe alles ist, weiß ich auch, dass nicht „alles gut wird“ sondern dass „alles gut ist, so wie es ist, weil es so ist, wie es ist“. Darauf besinne ich mich immer, wenn der Verstand etwas anderes glauben machen will. Dabei gleicht unser Verstandesblick wie Ameisen, die auf einem Teppich zwischen den Fäden herumlaufen. Die Ameise kommt an einen roten Faden, der Verstand sagt, „will ich nicht, der müsste grün sein, der nächste sollte blau anstatt gelb sein, ich weiß es besser, was gut für mich, dich ist, der übernächste ist gelb, das ist eine neue Abfolge rot-blau-gelb, kenn ich nicht, macht mir Angst“ usw.; kurz: Ablehnung dessen, was das ist, mit allen bekannten Folgen. Was der Verstand nicht sieht und nicht sehen kann, ist das Muster des Teppichs und das alles gut ist, so wie es ist. Aber ich kann darauf vertrauen.

    Dann ist es auch spannend, in den Dingen, die nicht so offensichtlich nach Liebe ausschauen, danach zu suchen. Bspw. so wie die jüngsten Terroranschläge: Grausamer Auslöser für viele zu erkennen (beginnen) bzw. bereits Erkanntes bestätigt zu bekommen das ist nicht der Weg, den ich gehen will. Für die anderen Möglichkeit, die Rache, der Ruf nach Vergeltung auszuleben. Ein Akt der Liebe durchgeführt von wenigen für viele. „Bedarf es dieser Grausamkeit?“, fragt der Verstand. „Ja“, sagt die Liebe, „sonst würde es nicht geschehen.“ Kalt und herzlos diese Ansicht? Nein, Mitgefühl für alle Täter, Opfer und die davon wie auch immer berührt werden.

    Viele Grüße
    Christoph

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