Selbstliebe – was ist das eigentlich?

Das Wort "Ich" im Zentrum des Bildes umgeben von Erdbeeren und Gold.

Gestern wurde ich gefragt, was Selbstliebe für mich eigentlich sei. Ich habe darauf zwar etwas geantwortet, bin aber so richtig überhaupt nicht zufrieden mit meiner Antwort. Sie hat viel zu kurz gegriffen und kann leicht missverstanden werden. Und heute geht mir diese Frage nicht aus dem Kopf. Also wage ich einen zweiten Versuch.

Wenn ich über Selbstliebe nachsinne, mir das Wort mit all seinen Bedeutungen und Aspekten durch alle meine Sinne gehen lasse, komme ich zu einer recht kurzen Antwort: Selbstliebe ist alles für mich. Doch das hilft ja keinem weiter, nicht wahr? So gibt es nun eine lange Antwort:

Selbstliebe ist Güte und Nachsicht für mich selbst

Selbstliebe bedeutet vordergründig für mich, dass ich gütig, freundlich und nachsichtig auf mich selbst als Mensch schaue. Ein kleines Beispiel fällt mir dazu ein. Als ich jung war, hatte ich eine Verhaltensweise, die mir nicht gut getan hat. Ich habe auch gemerkt, dass sie mir nicht gut getan hat und dennoch habe ich sie nicht ohne weiteres ablegen können.

In einer Situation, in der ich also wieder mal dieses Verhaltensmuster an den Tag gelegt hatte, habe ich mir danach Vorwürfe gemacht. Zum Glück habe ich rasch gemerkt, dass mir das ja noch viel weniger gut tat. Und so habe ich beschlossen, zu akzeptieren, dass ich eben dieses komische Muster immer mal wieder noch lebe und mich deswegen nicht obendrein noch fertig machen will.

Mir war klar, dass ich mit dem ungewollten Verhalten schon irgendwann aufhören würde. Und was soll ich sagen, nachdem ich es akzeptiert hatte, ging es quasi von ganz allein. Das meine ich mit gütigem und nachsichtigem Blick auf mich selbst.

Selbstliebe ist das Ernstnehmen meiner Wünsche und Sehnsüchte

Gerade in der spirituellen Szene höre ich häufig den Satz: Wenn es nicht geklappt hat, dann soll es nicht sein. Wie oft dient diese Aussage der eigenen Faulheit? Bitte entschuldige meine für dich  ggf. hart klingende Frage hier. Wie oft ist der Hintergrund dieser Aussage auch Angst? Angst vor Misserfolg, vor Ablehnung, vor allem möglichen?

Ich finde es wichtig, die eigenen Wünsche ernst zu nehmen. Der große Geist und ich sind eins. Meine Wünsche sind die Wünsche des großen Geistes. Wenn wir keine Wünsche, keine Sehnsucht mehr haben, dann brauchen wir doch gar nicht auf der Erde sein.

Selbstverständlich gibt es auch Wünsche und Sehnsüchte, die einer Angst entspringen. Ein kleines Beispiel sind aus meiner Sicht die ganzen Versicherungen, die ein Mensch abschließt, aus der Angst heraus, dass ihm im Leben schlimmes zustoßen kann. Es ist der Wunsch nach Sicherheit, dem dieser Mensch folgt, weil er die Sicherheit in sich selbst noch nicht gefunden hat.

Und ja, Selbstliebe bedeutet für mich auch, auch diesen Wünschen zu folgen. Es mag sein, dass mir irgendwann bewusst wird, dass mich ein solcher Wunsch und vor allem seine Erfüllung an der Erfüllung von etwas schönerem, größerem hindert. Dann kann ich mein Sein, mein Leben und meine Entscheidungen doch neu anpassen.

Und wirklich weh tut es, wenn ich den Wünschen und der Sehnsucht meine Seele nicht folge, wenn ich sie verdränge, weil ich glaube, sie wären ja ohnehin nicht erfüllbar. Ja, es braucht Mut und vielleicht bedeutet das auch unbequeme Veränderungen im Leben. Dennoch lohnt es sich nach meiner eigenen Erfahrung immer, der Sehnsucht der Seele ihren Raum zu geben und Gehör zu schenken.

Selbstliebe ist die Voraussetzung für Liebe

Nach meiner Erfahrung ist Selbstliebe die Voraussetzung dafür, dass ich andere lieben kann. Alles das, was ich an mir selbst nicht angenommen, akzeptiert und eben lieben gelernt habe, lehne ich ja doch auch bei anderen Menschen ab. Wie soll ich Eigenschaften oder Verhaltensweisen anderer Menschen lieben, wenn ich sie bei mir selbst ablehne und als schlimm, schlecht, ungehörig, verabscheuungswürdig usw. einordne?

Die Spiegelgesetze machen durchaus Sinn. Für jene, die sie nicht kennen, zitiere ich sie hier noch mal:

  1. Alles, was mich am anderen stört, ärgert, aufregt und in Wut geraten lässt und ich anders haben will, habe ich selbst in mir. Alles, was ich am Anderen kritisiere und bekämpfe oder verändern will, kritisiere, bekämpfe oder unterdrücke ich in Wahrheit in mir und hätte es gerne anders.
  2. Alles, was der andere an mir kritisiert, bekämpft und an mir verändern will, und ich mich deswegen verletzt oder angegriffen fühle, so betrifft es mich ebenso – ist dies in mir noch nicht richtig erlöst, meine gegenwärtige Persönlichkeit fühlt sich beleidigt, mein Ego ist noch stark, meine Selbsterkenntnis noch schwach.
  3. Alles, was der andere an mir kritisiert und mir vorwirft, an mir ändern will und bekämpft und mich dies nicht berührt, ist sein eigenes Bild, sein eigener Charakter, seine eigenen Unzulänglichkeiten, die er auf mich projiziert.
  4. Alles, was mir am anderen gefällt, was ich an ihm liebe, bin ich selbst, habe ich als Aspekt selbst in mir und liebe dies auch im anderen. Ich erkenne mich selbst im anderen – in diesen Aspekten sind wir (Anmerkung von mir: erkennen wir uns als) eins.

Selbstliebe ist eine Methode

Ich weiß, es klingt absurd. Dennoch ist es für mich so und ich finde es nur logisch, denn wenn Selbstliebe eine Voraussetzung für Liebe ist, dann kann ich Selbstliebe methodisch nutzen, um meine bedingungslose Liebe zu leben.

Alles, was ich in mir selbst annehme und lieben lerne, kann ich auch bei anderen Menschen akzeptieren, annehmen und eben lieben. Ich bin dann nicht mehr im Widerstand. Fühle ich mich eins mit mir selbst, fühle ich diese Einheit auch mit allem anderen. Das ist nach meiner Erfahrung eine Automatik. Denn die anderen und ich sind eins. Es geht gar nicht anders.

Das Einheitsgefühl, nach dem so viele Menschen streben und suchen, kann nicht erreicht werden, wenn sich der bzw. die Suchende selbst aus der Liebe ausschließt. Alles ist eins. Der bzw. die Suchende ist alles. Es gibt nichts anderes.

Ich möchte sogar so weit gehen zu sagen: Liebt sich ein Mensch selbst nicht, liebt dieser Mensch gar nichts. (Aus der Sicht von: Alles ist eins.)

Selbstliebe ist für viele Menschen eine Herausforderung

Selbstliebe erfordert Selbstermächtigung, Selbsterlaubnis und Selbstverantwortung. Will ich mir erlauben, mich selbst zu lieben, muss ich mich über Sätze, die tief in unseren menschlichen Knochen stecken, hinweg setzen. Sätze wie „Geben ist seliger denn nehmen,“ oder „Zuerst kommen die anderen.“

Keiner möchte narzistisch oder egoistisch sein bzw. erscheinen. Doch lieben wir uns wirklich selbst, können wir nicht egoistisch oder narzistisch sein. Solche Eigenschaften sind Folge des Mangels an Selbstliebe. Es sind Kompensationen, die recht unangenehm daher kommen können. Güte, Freundlichkeit und Nachsicht mit sich selbst werden nicht gelebt.

An dem Punkt fällt mir das Wort Selbstvergebung ein. Sind wir irgendwann einmal zum Täter geworden, wodurch auch immer, ist es wohl eine der härtesten Übungen, die ein Mensch machen kann, sich selbst zu vergeben. Selbstverständlich ist dies auch wieder meine eigene Erfahrung. Es mag sein, dass ich hier unzulässig verallgemeinere. Doch auch die Klienten, die zu mir gekommen sind und ein Täterthema hatten, hatten enorme Schwierigkeiten, sich selbst zu vergeben.

Einst habe ich meine Geister gefragt, wie ich mich je wieder lieben können sollte, obwohl ich doch in meiner letzten Inkarnation wirklich schreckliche (aus einer sehr menschlichen Sicht) Dinge getan hatte. Ihre Antwort war: „Tu es einfach. Liebe dich weiter.“ Und ja, das scheint eine Antwort zu sein, die funktioniert. Wir haben irgendwann ohnehin keine andere Chance als zu akzeptieren, dass wir auch Täter waren und sind. Auch das ist der große Geist: Täter. Und ist er bzw. sie es, so sind wir es auch. Wie sollte es anders sein, wenn alles eins ist?

Und genau das ist der Punkt an der Selbstliebe, der in der Lage ist, tatsächlich Frieden zu schaffen. Schaffe ich es, meine Täteranteile genauso zu lieben, zu akzeptieren, zu meinem Lebens- und Inkarnationszyklus dazugehörend anzunehmen, finde ich Frieden in mir. Habe ich diese Herausforderung gemeistert, kann ich auch die Täter dieser Welt lieben. (Das heißt nicht, dass ich nicht auch Grenzen setze, wenn meine Grenzen überschritten werden. Doch ich verurteile niemanden mehr und tue nicht mehr als meine Grenze klar zu ziehen.) Strahle ich diesen Frieden aus, na, was mag dann auf der Erde geschehen? Dann brauche ich niemandem mehr Licht und Liebe zu schicken, denn ICH BIN Licht und Liebe. Und so möchte ich abschließend sagen:

Selbstliebe ist der Weg des Friedens.

 


 

An dieser Stelle möchte ich dich auf mein letztes Seminar in diesem Jahr aufmerksam machen. Es handelt sich um das Wochenendseminar „Die Liebe der Dunkelheit“. Du lernst dunkle Wesenheiten wie das Wesen Schuld, den Hass, Macht, Gier oder wen auch immer wir gemeinsam aufsuchen möchten, von ihrer lichten und Kraft schenkenden Seite kennen. Es sind Anteile deiner selbst, die du verdrängt hast. Lernst du ihre Liebe kennen, kannst du sie leichter wieder annehmen. Ein Akt der Selbstliebe also wird an diesem Wochenende vollbracht.

Es findet am Wochenende 11. und 12. November 2017 in Griesstätt (Oberbayern) statt. Hier findest du mehr Informationen und kannst dich anmelden: Ja, ich möchte mich tiefer kennen und lieben lernen 🙂

Ich freue mich auf dich!

Es grüßt wie immer herzlich
Tanja Richter

 


PS: Ich möchte klar stellen, was ich unter “Wahrheit” verstehe. Ich betrachte jeden einzelnen Menschen als Schöpfer, also auch als Schöpfer von Realität. Somit gibt es nicht die eine Wahrheit, sondern mindestens ebenso viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt. Und um noch genauer zu sein, wir erschaffen die Gesamtwahrheit in jeder Sekunde neu. Ich bitte euch also, das, was ich hier schreibe, als das anzuerkennen, was es ist: meine Wahrheit. Wenn ihr damit etwas anfangen könnt, dann freut es mich. Wenn nicht, dann vergesst es getrost einfach wieder.

Wenn du meine Texte nutzen möchtest, kannst du das gerne tun. Bitte nenne mich (Tanja Richter - Seelen(t)raum - Selbstliebe als Weg) in diesem Fall als Autorin. Selbstverständlich freue ich mich auch über einen Link auf meinen Blog. Ich danke dir für deine Achtsamkeit!

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5 comments

  1. Vielen Dank – ein sehr schöner Beitrag!
    Eine kleine Anmerkung würde ich gerne zum Thema Angst und Versicherungen machen. Ich denke mir, dass unter gewissen Umständen Versicherungen durchaus Sinn machen können, zum Beispiel eine Hagelversicherung für Landwirte. (Außer die Landwirtin bzw. der Landwirt ist z.B. Schamane und kann den Hagel durch seine schamanische Arbeit abwenden. 😉 ) Oder auch die Haftpflichtversicherungen im Staßenverkehr.

    Liebe Grüße!
    Clemens

    1. Lieber Clemens,

      ja, du hast völlig Recht. Solange wir unsere tiefe Verbindung mit allem spüren und dadurch auch an Einflussnahme reicher sind, sind Versicherungen zum Teil hilfreich.
      Und es ist sicher auch nicht verkehrt, aufmerksam damit zu sein, wo ich eine Versicherung gefühlt brauche und wo nicht.

      Sei herzlich gegrüßt von
      Tanja

      PS: Ich hoffe, du bist kein Versicherungsvertreter, dem ich auf den Schlips getreten bin 😀

  2. Bin gerade „zu-fällig“ über deine Seite und deinen Blog gescrollt. Sehr schöne ansprechende Homepage, sowie Logo und natürlich ganz wunderbare Texte. 💌
    💛liche Grüße
    Gudrun

  3. Liebe Tanja,
    ich finde, das hast du ganz wunderbar geschrieben!
    Das sind solche Themen, die man eigentlich nicht erklären kann, sondern gerspürt werden müssen. Nur wer keine Selbstliebe lebt, kann die Frage stellen, was das ist. (-;
    Ich habe mich anfangs dabei ertappt, es mit Egoismus zu verwechseln, also es mir zu verbieten, weil ich dachte, dies sei nicht gut und erlaubt. Aber ich denke inzwischen, Selbstliebe ist eine natürliche Eigenschaft unseres Wesens und sie ist die absolute Basis für ALLES.

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