Geben ist seliger denn nehmen?

offene Hände mit Gänseblümchen

Geben ist seliger als nehmen?

Seit Jahrtausenden macht uns die Kirche weis, geben sei seliger denn nehmen. Das war ein probates Mittel, um Menschen dazu zu bringen, ihr Geld herzugeben, damit sie denn auch wirklich in den Himmel kommen. Und auch heute glauben noch viele Menschen diesen Satz. Jedes Mal, wenn ich diesen Satz lese oder höre, sehe ich die Moralkeule, die in ihm mitschwingt.

Meine Erfahrung ist da anders. Wenn es niemanden gibt, der annimmt, dann kann keiner etwas geben. Wenn in der Natur die Tiere sich weigern würden, sich etwas zu nehmen (zumeist andere Tiere), dann würden sie glatt verhungern. Da es in der Natur bekanntlich zirkulär zugeht, wäre der Kreis bald ausgestorben. Und auch wir müssen bereit sein, etwas anzunehmen, wenn wir nicht Hungers sterben wollen. Wir müssen Pflanzen oder Tiere töten. (Ich weiß, es gibt Menschen, die nur von Licht und Wasser leben. Gehörst du dazu?)

Ich hatte einst ein Erlebnis mit einem früheren Lebenspartner von mir und seinem Sohn. Ich habe zweieinhalb Tage Arbeit in den 18. Geburtstag des Sohnes gesteckt und ich bekam weder von dem einen noch von dem anderen ein „Danke schön“. Das hat mich wütend und traurig gemacht.

Damals dachte ich, dass mir das doch egal sein müsste, wenn ich bedingungslos liebe und gebe. Aber es war mir nicht egal. Also forschte ich in mir nach, was es denn genau war, was mich da so betroffen gemacht hat. Ich fand heraus, dass ein „Danke schön“ signalisiert hätte, dass die beiden mein Geschenk auch tatsächlich angenommen haben. Dass es bei ihnen angekommen ist. So hat es sich angefühlt als hätten sie es sich einfach gegrabscht. Es gibt also einen Unterschied zwischen dem Annehmen und Grabschen.

Hätten die beiden tatsächlich nehmen können, dann hätte mir das Geben Freude bereitet.

Geben ist seliger denn nehmen? Nein! Geben ist genauso selig wie nehmen. Die Frage, die ich mir seit meinem damaligen Erlebnis stelle, wenn ich etwas geben oder nehmen möchte: Bereitet es mir und dem anderen Freude? Vergrößert es die Energie der Freude auf der Erde?

Nehmen ist so wichtig, um nicht zu verhungern, sei es körperlicher oder seelischer Art.

Und noch etwas geht mir durch den Sinn zu diesem Thema. Nehmen will gelernt sein. Es ist genauso ein Akt der Hingabe und Würde wie das Geben. Wenn wir etwas geben, dann können wir uns reich und stark fühlen. Im Nehmen können auch Schwäche und Kleinheit liegen. Es braucht Größe, in Würde annehmen zu können.

Wenn Geben zu einer Sucht wird, brauchen wir immer Menschen um uns herum, die schwächer und kleiner sind als wir, damit wir uns weiter groß und stark fühlen können. Wenn Nehmen zu einer Sucht wird, dann bleiben wir immer abhängig von anderen.

Unser Herz weiß, wann es gut und freudvoll ist zu geben und wann es Zeit ist zu nehmen. Beides braucht Achtsamkeit und Liebe. Balance ist ein Zauberwort.

PS: Ich möchte klar stellen, was ich unter “Wahrheit” verstehe. Ich betrachte jeden einzelnen Menschen als Schöpfer, also auch als Schöpfer von Realität. Somit gibt es nicht die eine Wahrheit, sondern mindestens ebenso viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt. Und um noch genauer zu sein, wir erschaffen die Gesamtwahrheit in jeder Sekunde neu. Ich bitte euch also, das, was ich hier schreibe, als das anzuerkennen, was es ist: meine Wahrheit. Wenn ihr damit etwas anfangen könnt, dann freut es mich. Wenn nicht, dann vergesst es getrost einfach wieder.

Wenn du meine Texte nutzen möchtest, kannst du das gerne tun. Bitte nenne mich (Tanja Richter - Seelen(t)raum - Selbstliebe als Weg) in diesem Fall als Autorin. Selbstverständlich freue ich mich auch über einen Link auf meinen Blog. Ich danke dir für deine Achtsamkeit!

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