Ein weiblicher Weg der Erleuchtung

Yin & Yang

Mal wieder hatte ich ein Gespräch mit meiner Freundin Monika Umland. Sie nennt diese Art Gespräche gerne tiefenphilosophisches Geplänkel 🙂

Sie erzählte mir von sehr archaischen Kräften, von Energien, die sehr unstrukturiert, gefühlt dem Zufall ausgeliefert, vor und während der Erschaffung der Erde gewaltet haben. Wenn Monika sich erdet und sich noch ein wenig weiter nach unten gleiten lässt, kann sie diese Kräfte wahrnehmen. Sie erzählte, dass es sie jedes Mal Mut kostet, wenn sie sich mit diesen archaischen Kräften verbindet, denn sie fühlt es so, dass sie sich dann vollkommen hingibt und auch ausgeliefert ist.

Ich spürte ihren Worten und der beschriebenen Energie nach und kam in vollkommene Freude und den Spaß am Erschaffen, Entdecken, Spielen. Es fühlte sich für mich nicht an, wie eine Gewalt, die außerhalb meiner selbst existiert, sondern es sind Kräfte in mir. Ich hatte nicht das Gefühl von ausgeliefert sein. Ich hatte vielmehr das Gefühl von „ich gebe mich mir selbst hin“.

Es war wie immer: Alles ist eins, ich bin alles, alles ist in mir.

So kam ich auf den Gedanken, dass dies eine sehr feminine Art des Seins ist. Und es ist ein femininer Weg der Erleuchtung. In vielen Lehren geht es um die Leere. Es geht darum, sich selbst leer zu machen. Aus dieser Art Philosophie entstehen solche Sätze wie: Ich bin nicht meine Gedanken.

Mich haben solche Sätze immer sehr verwundert. Wer denn sonst soll meine Gedanken sein als ich selbst? Ebenso mein Körper … selbstverständlich bin ich mein Körper. Wer sollte es denn sonst sein? Mir kamen diese Ideen immer irgendwie eigenartig vor. Für mich haben sie nie funktioniert, es sei denn, ich habe mich kurzzeitig dafür entschieden, das mal anzunehmen, weil es mir in dieser einen konkreten Situation genützt hat.

Meistens jedoch entschied ich mich, meine Gedanken und auch meinen Körper als mich selbst wahrzunehmen und zu empfinden. So konnte ich mit mir selbst in Kommunikation gehen und ändern, was zu ändern war, wenn Änderung anstand.

Während des Gesprächs mit meiner Freundin Monika kam ich darauf, dass die Art, wie ich das Sein betrachte, gleichzeitig ein femininer Weg zur Erleuchtung ist. So, wie der maskuline Weg die Entleerung anstrebt und in die Stille, in den Frieden kommt, ist das feminine Prinzip ein aufnehmendes. Alles, was mir begegnet bin ich selbst, auch wenn mir vielleicht nicht gefällt, was mir begegnet.

Wenn ich hinein spüre in diese beiden Wege, kann ich große Unterschiede feststellen. Nicht das „Ziel“ ist unterschiedlich, denn Stille und Frieden finde ich ebenfalls, wenn ich alles in mich aufnehme, was in meinem Bewusstsein ist. Der Weg dorthin ist sehr unterschieden.

Der maskuline Weg, wendet sich ab von der Welt. Er sucht das Höhere und findet es auch. Ich persönlich empfinde diesen Weg jedoch zumindest zunächst als recht freudlos und z.T. auch als recht gefährlich. Ich hatte dereinst einen Klienten, der diesen Weg gegangen ist und überhaupt nicht mehr auf der Erde verankert war. Das Leben hat ihm keinen Spaß mehr gemacht. Was sollte er hier auch noch? Da war kein Genuss, kein Glücklichsein, es war vor allem das Nichts.

Der feminine Weg nimmt die Welt in all ihren Facetten in sich auf. Ich sage „ja“ zum Leben. Ich fühle mich gefüllt. Ich bin voller Staunen über die Vielfalt, die ich sein kann, voller Liebe zu mir selbst und den Ausdrucksformen des Seins, voller Mitgefühl für Teile des bzw. meines Seins, denen es nicht gut geht. Alles darf sein. Ich bin meine Gedanken, mein Körper, meine Gefühle, ebenso wie ich deine Gedanken, dein Körper, deine Gefühle bin. Ich bin die Erde, die Sonne, der Mond, das Universum. Ich bin die Unendlichkeit und unendlich gefüllt mit Möglichkeiten, Erfahrungen und habe auf alles Zugriff, wenn ich es wünsche. Ich bin archaische Urkraft und feinste Schwingung. Ich bin das Alles.

Ich persönlich wähle den femininen Weg. Er erscheint mir freudvoller und auch leichter.

Monika meinte, der feminine Weg könne ein Ego auch aufplustern. Meine Antwort darauf war: Was macht das schon? Auch ein Ego ist ein Teil des Ganzen. Je mehr es geliebt wird, umso ruhiger kann es sein. Und je mehr jemand in sich aufnimmt, desto weniger kann dieser jemand zwischen sich und dem anderen unterscheiden. Ich brauche mein Ego nicht zu überwinden, es wird einfach immer stiller, je größer und voller ich werde. Ich brauche nicht in den Widerstand zu gehen, sondern kann annehmen. Was auch immer mir begegnet, wird zu einem Teil meines Lebensflusses, wo es frei fließen darf. So kann ich immer wieder wählen, wohin ich meinen Fokus lenke, welcher Erfahrung ich hier und jetzt Nahrung geben möchte.

Und jetzt beim Schreiben merke ich gerade, dass damit der feminine Weg den maskulinen Aspekt des Zielgerichtetseins in sich trägt, wenn es um das Erschaffen geht. So wie der maskuline Weg den femininen Aspekt der Hingabe in sich trägt, wenn es um Schöpfung geht. In diesem Fall habe ich nichts, aus dem ich wählen kann, was ich erfahren möchte, denn ich bin im Nichts. So kann nur das Leben selbst wählen, wie es sich als nächstes zeigen möchte und ich gebe mich dem Leben hin.

Yin und Yang … da sind sie wieder. Wozu schreibe ich das alles hier eigentlich? Es ist ja letztlich doch nicht neu. Es ist vielleicht nur ein wenig anders verknüppert.

Oh, und da fällt mir noch etwas ein. Meine Freundin meinte, dass es natürlich auch auf das Energiesystem eines Menschen ankommt, welcher Weg für ihn oder sie praktikabel und wirksam ist. Vielleicht ist es also nicht prinzipiell „gefährlich“, sich in das Nichts zu begeben. Vielleicht ist es nur dann nicht hilfreich, wenn man sein Energiesystem für den Aufenthalt hier auf der Erde aufnehmend gestrickt hat.

Und vielleicht ist es auch ein neuer Gedanke, dass Erleuchtung nicht nur durch das Leermachen, sondern auch durch Sich-füllen gelingen kann. Sicher gibt es noch viele, viele andere Wege, wie wir uns dem, was wir gerne das Göttliche nennen, nähern können.

Warum ich das alles schreibe? Ich sag’s dir: es macht mir einfach Spaß <3

Sei gesegnet, welchen Weg auch immer du wählst und gehst,
herzlich Tanja

PS: Ich möchte klar stellen, was ich unter “Wahrheit” verstehe. Ich betrachte jeden einzelnen Menschen als Schöpfer, also auch als Schöpfer von Realität. Somit gibt es nicht die eine Wahrheit, sondern mindestens ebenso viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt. Und um noch genauer zu sein, wir erschaffen die Gesamtwahrheit in jeder Sekunde neu. Ich bitte euch also, das, was ich hier schreibe, als das anzuerkennen, was es ist: meine Wahrheit. Wenn ihr damit etwas anfangen könnt, dann freut es mich. Wenn nicht, dann vergesst es getrost einfach wieder.

Wenn du meine Texte nutzen möchtest, kannst du das gerne tun. Bitte nenne mich (Tanja Richter - Seelen(t)raum - Selbstliebe als Weg) in diesem Fall als Autorin. Selbstverständlich freue ich mich auch über einen Link auf meinen Blog. Ich danke dir für deine Achtsamkeit!

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6 comments

  1. Hi Tanja!
    Du warst ja schon wieder fleißig :)…und wie schön …
    Nun kurzes Statement noch unten drunter um sauber heraus zu bringen welches meine Intention im Gesagten. Im Verbinden mit diesem „archaischen ursprünglichen und elementaren“ fühle ich jedesmal ein Auflösen von allem Engem, Kleinem, Ilusionärem…dort löst sich ein jedes auf-ein kleiner tod von teilen der idendifikation-dienlich letztendlich-wie altes Laub auf Humus-aber auch Kontrollverlust. Und da hilft nur gaanz viel Atmen-bis hin zur Schnappatmung 🙂 Nun können wir natürlich fragen „wer oder was will denn schon Kontrolle?“ und Alle anschließend mal gemeinsam herzhaft lachen.
    Du meine Freundin, bist da natürlich eine , (die eine die ich kenne!) Ausnahme! 🙂 gesegnet sei deine Sternenkraft !
    Wenn sich alles auflöst – hast Du deine größte Freude am Schwingen und Tanzen oben drauf! Und so soll es sein! Lass uns drauf Tanzen! Tanzen geht ja auch so oder so oder auch noch ganz anders 🙂
    Lg in die Runde um Tanja!

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