Das Sein, das Tun und der eigene Wille

eine Frau, die mit Pfeil und Bogen zielt

Immer wieder treffe ich auf meinem spirituellen Weg auf Menschen, die „aus dem Tun heraus kommen und in das Sein gehen“ wollen. Mir kommen dazu die Worte „Sein tun wir doch eh!“ in den Sinn. Und damit könnte mein heutiger Beitrag auch schon zu Ende sein. Doch ich will tiefer auf das Sein und das Tun eingehen, denn ich nehme bei diesem Punkt eine ziemliche Verwirrung wahr.

So, wie sich mir das Leben darstellt, kommen wir weder um das Sein noch um das Tun herum. Außer jenen Menschen, die das Ich als nicht existent wahrnehmen, wird kaum jemand abstreiten wollen, dass er oder sie ist. Und zumindest solange wir auf der Erde verweilen, atmen wir, schlägt unser Herz, arbeitet unser gesamter Körper und tut sich selbst am irdischen Leben erhalten (Ich bitte, das furchtbare Deutsch zu verzeihen!). Doch unser Körper sind wir. Wer sollte es auch sonst sein? Wir, als geistig-energetische Wesen haben unseren Körper zunächst gemeinsam mit unseren irdischen Eltern aus der irdischen Materie „gebastelt“. Er arbeitet, weil unsere Seele ihn dazu bringt. Er fühlt Schmerzen, Freude, Glückseligkeit, weil unsere Seele ihn dazu bringt.

Bei dem Thema Sein, Wille und Tun geht es vor allem um Schöpferkraft. Beides sind großartige Werkzeuge, unsere Schöpferkraft immer bewusster zu handhaben. Entwickeln brauchen wir sie nicht, denn sie ist das, was wir nun mal einfach sind: pure Zauberei. Wir erschaffen immer, ob es uns bewusst ist oder nicht. Nur was wir erschaffen und ob es uns gefällt, was wir erschaffen, darum geht es, nicht wahr?

Schauen wir uns diesen Prozess einmal genauer an.

Ich hocke „da oben“ als Seele auf einer Wolke und bin unheimlich hibbelig, weil ich meine Kraft erfahren möchte. Das kann ich dort oben nicht, denn um etwas zu erfahren, fehlen mir dort einige wichtige Mittel: ein Körper und eine entsprechende Umgebung! Dort oben bin ich mir meiner Fähigkeiten sehr bewusst. Und sobald ich erst in und dann aus dem Bauch meiner irdischen Mutter schlüpfe, beginne ich zunächst zu vergessen, wer ich eigentlich bin, um mir eine irdische Identifikation und Begrenzungen zu erschaffen, die ich später mit meinen Fähigkeiten und meiner Schöpferkraft erweitern und überschreiten will. Ich bin voller Vorfreude auf mein Leben auf der Erde … und dann … springe ich …

„Hier unten“ lerne ich die üblichen irdischen Dinge und weiß bald nicht mehr, wer ich eigentlich bin und woher ich komme. Ich kenne meine Kräfte nicht mehr und erschaffe ohne zu wissen, was ich da eigentlich tue, bis ich eines Tages merke, dass ich in einer Sackgasse gelandet bin, denn mein Leben gefällt mir nicht oder ich bin krank geworden oder habe es mit einem anderen Hindernis zu tun, das mir meine Seele, also ich selbst mir in den Weg gestellt habe, um mich wieder an sie, also an mich selbst zu erinnern.

So beginne ich damit, genauer hinzuschauen und zu beobachten, wie die Dinge sich verhalten. Ich schalte möglichst alle Stimmen in meinem Kopf aus, um der Stimme meiner Seele zu lauschen und spüre eine tiefe Sehnsucht. Ich merke, dass ich mich „hier unten“ so begrenzt habe (Die meisten von uns meinen, die anderen hätten uns begrenzt. Doch zumindest ich kann mich daran erinnern, dass ich „da oben“ auf der Wolke saß und meine Lebensumstände selbst ausgesucht habe. Meine Eltern und all die anderen haben mir nur dabei geholfen, die Begrenzungen anzulegen, die ich haben wollte. … Ich weiß, dass auch bei diesem Punkt wieder der eine oder die andere innerlich rebelliert und an Missbrauch, Mord und Totschlag denkt. Das kann ich gut verstehen und darauf werde ich bei dem Thema Täter-Opfer-Pol sehr genau eingehen.), dass ich mich selbst gar nicht mehr wieder erkenne.

Ich spüre deutlich: Ich will anders leben als ich es bisher getan habe!

Und schon tut sich die Frage auf: Was will ich denn eigentlich? Als erstes fällt mir auf und ein, was ich nicht mehr will. Im besten Fall höre ich einfach auf zu tun, was ich nicht mehr will und im ungünstigen Fall beginne ich, gegen das anzukämpfen, was ich nicht mehr will. Nachdem ich mich eine Weile mit meinen Nicht-mehrs auseinandergesetzt habe (Hoffentlich nicht allzu lange! Natürlich begegnen sie mir auf meinem Weg immer mal wieder. Dann gilt es, möglichst freundlich eine Grenze zu setzen und „nein“ zu sagen und sich dann wieder den „Jas“ zuzuwenden.), fange ich an, in mich hineinzuhorchen, was ich denn will. Dadurch komme ich unweigerlich auf die Frage: Wer in Gottes Namen bin ich eigentlich?

Bin ich jemand, der gerne lacht, singt, spielt? Bin ich jemand, die gerne ernsthaft ist und logisch denkt? Bin ich jemand, der gerne kreiert? Bin ich jemand, der Menschen mag und mit ihnen zu tun haben möchte? Oder doch lieber mit Tieren oder Pflanzen? Oder mag ich in dieser Inkarnation vielleicht einfach mal jemand sein, die so richtig auf der faulen Haut liegt? Bin ich friedlich oder feurig oder sanftmütig oder oder oder und …?

Wer bin ich und wer will ich sein? Die Antworten darauf sind immer veränderlich, sowohl von Inkarnation zu Inkarnation als auch innerhalb einer Inkarnation.

Es ist gut möglich, dass ich mich nun in meinem Sein „verliere“. Ich erforsche mich und erfreue mich an den schönen Gefühlen, die ich dadurch vielleicht bekomme. Andere Menschen sind dabei recht hinderlich und etwas zu tun erst recht. Ich sehe die anderen „da draußen“, die meiner Meinung nach im Tun verfangen sind und mir wie Hamster in ihren Rädern vorkommen und weiß für mich, dass ich das ganz sicher nicht mehr will. Ich sitze da und bin. Wie zauberhaft! Wie zauberhaft!! Ooooh, wie zauberhaft … und … langweilig. Keine Herausforderungen mehr! Entspannung! Freiheit! Und keine Erfolge! Keine romantische Liebe! Keine Verbindung mit anderen. Ich merke langsam, um einfach nur sein zu können, hätte ich doch auch auf meiner Wolke sitzen bleiben können! Es fehlt was!

Und dann beginne ich mein Tun mit meinem Sein in Einklang zu bringen … und …

… stoße auf Hindernisse.

Hatte ich nicht irgendwo gehört, es gäbe einen göttlichen Willen? Wenn also etwas nicht klappt, dann „soll es nicht sein“! Doch woher kann ich nur erfahren, was sein soll und was nicht? Wer kann es mir sagen? Ich suche im Außen bei anderen Menschen, aber irgendwie klappt da auch nichts, wenn ich auf die höre, auch wenn diese Menschen sagen, sie wüssten, was der göttliche Wille sei. Ich lese Bücher, rufe Engel an, frage Orakel und nichts funktioniert. Und irgendwann dämmert es mir … Ich habe eine Blockade. Ich bin an eine selbst gesetzte Grenze angekommen, die da lautet: Mein eigener Wille ist nicht göttlich, also darf ich meinen eigenen Willen nicht leben, denn das ist das Ego und das Ego ist „schlecht“.

Nachdem ich diese Hürde genommen habe und mich selbst als göttlich (Ich BIN göttlich. Mein Wille ist göttlich. Meine Sehnsucht in mir ist die Leidenschaft des Universums, das sich durch mich ausdrücken möchte.) anerkannt habe, wende ich mich wieder meinem Tun zu und schaue mir dieses Mal genau an, warum das, was ich damals vor hatte, nicht geklappt hat. Und ich stelle fest, dass es nicht daran lag, dass irgend jemand im Universum meinte, dass das nicht sein sollte, sondern, dass ich selbst einen Glaubenssatz, eine Angst, eine alte karmische Verstrickung, ein Was-auch-immer in mir getragen habe und der Erreichung meines Zieles im Wege stand.

Damit habe ich die (gemeinschaftlich und selbst erschaffenen) Spielregeln erkannt. Ich habe meine Schöpferkraft erkannt und beginne nun, zwischen Sein, Tun und meinem Willen hin und her zu schwingen. Ich peile also ein Ziel an … z.B. meine eigene Firma aufzubauen oder einen Herzenspartner zu finden oder … und gehe auf dieses Ziel zu. Ganz definitiv tue ich etwas dafür. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich mein Wille erfüllt, wird größer. Auf meinem Weg treffe ich immer wieder auf Hindernisse, Herausforderungen und Verwirrungen. Ich lerne zu erkennen, ob die Hindernisse dort sind, weil mein Ziel nicht wirklich meinem Sein entspricht (Ein Beispiel: Ich hatte vor etlichen Jahrzehnten den Wunsch, dereinst mit 25 Katzen zusammen zu leben, weil ich diese Tiere einfach wunderbar finde. Ich erschuf mir also eine kleine Variante davon und lebte zwei Monate bei einem Bekannten mit sieben Katzen und merkte, dass das viel zu stressig ist und keinen Spaß macht und somit nicht meinem Sein entspricht.) oder ob in mir ein Glaube ist, der mich hindert oder ob die Zeit im Außen einfach noch nicht reif ist und ich mein Ziel auf später verschieben muss oder …

Ich peile also mein Ziel an, richte meinen Fokus aus und spüre meine Kraft immer deutlicher, ich bin und will und tue, erkenne mich selbst immer deutlicher dabei und komme ggf. nicht genau dort an, wo ich ursprünglich hin wollte, stelle aber fest, dass es dort, wo ich inzwischen gelandet bin, wunderschön ist. Und war es nicht das, was mein eigentliches Ziel war, einfach glücklich sein? Und all das habe ich gemacht. Es ist meine Schöpferkraft! Ich spüre immer deutlicher, dass all das … die Verwirrung, das Außen, das Innen, das Suchen, das Finden, das Ziel und der Weg und die Erfüllung ICH BIN.

Ja, ich bin einverstanden.

PS: Ich möchte klar stellen, was ich unter “Wahrheit” verstehe. Ich betrachte jeden einzelnen Menschen als Schöpfer, also auch als Schöpfer von Realität. Somit gibt es nicht die eine Wahrheit, sondern mindestens ebenso viele Wahrheiten, wie es Menschen gibt. Und um noch genauer zu sein, wir erschaffen die Gesamtwahrheit in jeder Sekunde neu. Ich bitte euch also, das, was ich hier schreibe, als das anzuerkennen, was es ist: meine Wahrheit. Wenn ihr damit etwas anfangen könnt, dann freut es mich. Wenn nicht, dann vergesst es getrost einfach wieder.

Wenn du meine Texte nutzen möchtest, kannst du das gerne tun. Bitte nenne mich (Tanja Richter - Seelen(t)raum - Selbstliebe als Weg) in diesem Fall als Autorin. Selbstverständlich freue ich mich auch über einen Link auf meinen Blog. Ich danke dir für deine Achtsamkeit!

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5 comments

    1. Grüß dich Kirstin,

      vielen Dank für deine Worte!

      Tun in diesem Kontext bedeutet, die Sehnsucht, die ich in mir spüre, als Ziel zu formulieren und hier auf der Erde durch konkrete Handlung umzusetzen. Ist mein Ziel z.B. einen Herzenspartner kennen zu lernen, ist es z.B. hilfreich die Wohnung zu verlassen, Menschen beider Geschlechter anzulächeln oder ggf. auch ganz aktiv durch Inserate oder ähnliches zu suchen. Durch z.B. Inserate bin ich „gezwungen“, mir genaue Gedanken darüber zu machen, welche Art Partnerschaft ich überhaupt möchte. Also, das Tun bedeutet in die meinem Ziel entsprechende Handlung zu gehen. Durch das Setzen von Zielen langfristigen und kurzfristigen entsteht die Struktur, die notwendig ist, um entsprechende schöpferische Energien fließen zu lassen. Die Struktur wirkt wie ein Ufer für das Wasser in einem Fluss.

  1. Es gibt nur den Einen Schöpfer! Und dieser ist in Allen!
    Er hat viele Masken/Persönlichkeiten und spielt sein Spiel des Vergessens und Wiedererinnerns!
    Es gibt kein Du in Wirklichkeit! Nur ein Ich Bin! Und er hat viele Wahrheiten!

    😉

    der Eine

  2. Ich erkenne deine Wahrheit nicht an weil es nur die eine Wahrheit gibt die absolut in sich ist. Diese Wahrheit ist hier. Du bist gefangen in Illusionen die du hier auf der Erde gehört hast. Erkenne Selbst und du kannst Erwachen. Du kannst vor der Wahrheit nicht davon laufen. Ich kenne dich mein Kind. Besser wie du dich Selbst. ♥

    1. Nun, Elisabeth, du darfst mit meiner Wahrheit tun, was immer du möchtest. Dass du glaubst, mich besser zu kennen als ich mich selbst, finde ich erstaunlich und – ehrlich gesagt – anmaßend. Und auch das darf sein.
      Mir scheint, das ist ein schönes Thema für einen nächsten Blogbeitrag. Vielen Dank für deine Anregung.
      Sei gegrüßt,
      Tanja

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